Die Sommerferien sind vorbei – die Sorge für kranke Angehörige bleibt. Sätze, die dir helfen, in der Schule über deine Pflegeverantwortung zu sprechen.
Zum Ferienende wächst das Bauchkribbeln. Übernehmen neue Lehrkräfte den Unterricht? Gibt es neue Mitschülerinnen und Mitschüler – oder andere Überraschungen im Schulalltag? Vielleicht trägst du zudem eine unsichtbare Last mit dir herum, weil du dich um ein Familienmitglied kümmerst, das zum Beispiel chronisch krank ist oder aus anderen Gründen Hilfe braucht. Dann nimmst du Sorgen mit in die Schule, die deine Klasse oft gar nicht kennt. Die Angst, nicht verstanden oder ausgegrenzt zu werden, kann riesig sein. Aber du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Manchmal fehlen einfach nur die passenden Worte, um das Eis zu brechen. Egal, ob du dich einer Freundin, einem Mitschüler oder einer Lehrkraft anvertrauen möchtest – mit diesen Sätzen fällt dir der erste Schritt leichter:
Situation 1: Neuer Stundenplan, neue Gruppenarbeiten
Zu Beginn des Schuljahres werden Gruppen neu gemischt und erste Nachmittagsprojekte geplant. Nach der Schule wollen sich alle spontan treffen – du musst aber direkt nach Hause, weil dort deine Oma mit Demenz oder dein kranker Papa auf dich wartet. Gegenüber neuen Mitschülerinnen und Mitschülern kann das Gefühl entstehen, sich rechtfertigen zu müssen.
So sagst du’s …
… deiner Lehrkraft (bei Gruppenarbeiten):
„Können wir die Gruppenarbeit in diesem Schuljahr so gestalten, dass wir Teile davon in der Schule erarbeiten oder digitale Tools nutzen? Da ich mich zu Hause um meine kranke Oma/meinen kranken Papa kümmern muss, bin ich nachmittags zeitlich nicht so flexibel für Treffen außerhalb der Schule.“
… deinen Mitschülerinnen und Mitschülern (in der Projektgruppe):
„Ich freue mich auf das Projekt mit euch! Bei mir passt es leider nicht so spontan nachmittags, weil ich zu Hause mithelfe. Wollen wir ein gemeinsames Online-Dokument oder Freistunden in der Schule nutzen?“
… deinen Freundinnen und Freunden:
„Es liegt wirklich nicht an dir, dass ich nach der Schule immer direkt losmuss. Ich kümmere mich zu Hause viel um meine kranke Oma/meinen kranken Papa. Lass uns Treffen am besten einfach fest einplanen, dann kann ich mir die Zeit zu Hause freihalten!“
Situation 2: Direkt in Woche 1 zu spät: der chaotische Morgen
Neues Schuljahr, neue Lehrkräfte – und gleich am ersten Tag oder in der ersten Schulwoche klappt zu Hause morgens nichts: Der Pflegedienst kommt zu spät oder die Versorgung dauert länger. Du kommst hetzend in die Klasse. Die Sorge ist groß: Die neue Lehrkraft kennt dich noch nicht und hält dich direkt für unpünktlich oder unzuverlässig.
So sagst du’s …
… deiner Lehrkraft:
„Entschuldigung, dass ich zu spät bin. Haben Sie nachher kurz Zeit? Dann würde ich Ihnen gern sagen, warum das bei mir öfter vorkommen kann.“
Und nach dem Unterricht erklärst du:
„Ich kümmere mich um meine kranke Oma/meinen kranken Papa. Das kann morgens länger dauern. Ich wollte Ihnen das sagen, damit Sie wissen, warum ich manchmal unpünktlich bin.“
… deinen Mitschülerinnen und Mitschülern:
„Blöd, dass ich zu spät bin. Das kann bei mir leider vorkommen, weil ich zu Hause mithelfe. Kannst du mir kurz sagen, was ich verpasst habe? Das wäre super!“
… deinen Freundinnen und Freunden:
„Falls ich morgens mal zu spät komme, liegt das nicht daran, dass ich keine Lust auf Schule habe. Das liegt daran, dass ich mich um meine kranke Oma/meinen kranken Papa kümmere. Sagst du mir dann kurz, was ich verpasst habe?“
Situation 3: Wenn die Müdigkeit in den ersten Schulwochen gewinnt
Nach den Ferien ist die Umstellung auf den Schulalltag hart. Und wenn die Nächte zu Hause kurz waren, weil du dich um deine kranke Oma oder deinen kranken Papa kümmern musstest, bist du in den ersten Schulwochen extrem erschöpft. Im Unterricht bist du unkonzentriert oder schaust nachdenklich aus dem Fenster. Das Problem: Neue Lehrkräfte kennen deine Situation nicht und denken vielleicht, du hättest keine Lust auf das neue Schuljahr.
So sagst du’s …
… deiner Lehrkraft:
„Ich bin gerade oft sehr müde und kann mich nicht so gut konzentrieren. Das liegt daran, dass ich mich zu Hause um meine kranke Oma/meinen kranken Papa kümmere. Wenn ich was Wichtiges verpasse, könnten Sie es mir dann bitte nochmal erklären oder mir sagen, wo ich es nachlesen kann?“
… deinen Mitschülerinnen und Mitschülern:
„Ich bin heute ziemlich müde, weil bei mir zu Hause so viel los ist. Kann sein, dass ich im Unterricht nicht alles mitbekommen habe. Kannst du mir bitte sagen, was wir aufhaben oder welche Aufgabe wir machen sollen?“
… deinen Freundinnen und Freunden:
„Ich bin gerade ziemlich k.o., weil meine kranke Oma/mein kranker Papa zu Hause momentan echt viel Hilfe braucht. Ich will dich aber trotzdem voll gerne sehen, kann aber nicht so lange. Wollen wir einfach ein bisschen quatschen oder eine Folge von unserer Serie schauen?“
Hol dir Unterstützung: das Pausentaste Schulpaket für Lehrkräfte
Du willst, dass deine Mitschülerinnen und Mitschüler deine Situation verstehen, ohne dass du alles lang erklären musst? Mach deine Klassenlehrerin oder deinen Klassenlehrer auf das Pausentaste Schulpaket mit fertigen Unterrichtsmaterialien aufmerksam und bitte sie oder ihn darum, das Thema im Unterricht aufzugreifen. Wir wünschen dir einen guten Start ins neue Schuljahr!
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