Ein Junge am Handy telefoniert

Gewaltprävention in der Pflege – Überbelastungen frühzeitig entgegenwirken

Kinder und Jugendliche haben besonders stark unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie gelitten und fühlen sich auch heute noch vielfach gestresst. Kontaktbeschränkungen und Schulschließungen haben jungen Menschen viel abverlangt.

Die 500.000 pflegenden Kinder und Jugendlichen in Deutschland, die sich um kranke und pflegebedürftige Angehörige kümmern, haben die Folgen der Pandemie ebenfalls stark gespürt: Physisch und vor allem psychisch. Sie sorgten sich zusätzlich um die Gesundheit von Angehörigen. Wichtige Entlastungsangebote, wie Freizeit- und Sportmöglichkeiten, brachen weg. Viele junge Pflegende und ihre pflegebedürftigen Angehörige waren auf die eigenen vier Wände zurückgeworfen. Die familiären Belastungen potenzierten sich zudem mit dem Ausfall von ambulanten Pflegediensten.

Diese erschwerenden Rahmenbedingungen während der Pandemie aber auch die psychosozialen Folgen für Pflegende und deren Angehörige können Gewalt- und Konfliktsituationen in der Pflege begünstigen. Obwohl die Gründe für Gewalt vielschichtig sind und variieren, sind gewalttätige Handlungen, seien es verbale Drohungen oder psychische sowie bereits körperliche Attacken, vielfach ein Zeichen für Überbelastung und Überforderung. Absichtliche Gewaltanwendung bleibt meist die Ausnahme. Betroffene von Gewalterfahrungen können pflegebedürftige Menschen, professionelle Pflegefachkräfte oder pflegende Angehörige, also auch junge Pflegende, sein.[1]

Pflegende Kinder und Jugendliche wenden sich auch telefonisch oder in der Online-Beratung an die Beratenden der Nummer gegen Kummer. Neben psychischen Problemen, Einsamkeit und Ängsten berichten sie auch von dem eigenen Erleben körperlicher und psychischer Gewalt. Die Ausgestaltung der Gewalterfahrung kann hierbei stark variieren und ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Deshalb ist es notwendig, Gewaltsituationen besser vorzubeugen und insbesondere pflegende Angehörige besser zu unterstützen. Das BMFSFJ hat im Jahr 2011 das Pflegetelefon ins Leben gerufen, das zwischenzeitlich auch in belastenden und kritischen Situationen anonym berät. Außerdem können die Angebote der Nummer gegen Kummer von jungen Pflegenden genutzt werden, um ihre Situation zu reflektieren, Risikofaktoren zu identifizieren und Handlungsstrategien zur Gewaltvermeidung zu entwickeln.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) bietet zudem fundiertes Wissen und Tipps zu diesem Thema an und hat hierfür eine Webplattform Gewaltprävention in der Pflege eingerichtet, wo sich speziell auch junge Pflegende niedrigschwellig informieren können.


[1] Zur Definition von Gewalt in der Pflege, Gewaltformen, Betroffenen und Intentionen https://www.pflege-gewalt.de/wissen/definition/.