Ein Globus steht auf einem Tisch. Der Hintergrund ist leicht verschwommen

Mut im Gepäck

Vor knapp drei Jahren floh Tamina mit ihrem Vater, dessen Hör- und Sehfähigkeit stark eingeschränkt ist, aus Afghanistan. Seitdem ist viel passiert. Auf was die 15-Jährige besonders stolz in ihrem Leben ist, erzählt Sie im Interview.

Tamina, dein Vater kann nur noch sehr schwach sehen und hören. Wie unterstützt du ihn im Alltag?

Eigentlich kommt er gut zurecht, aber manchmal unterstütze ich meinen Vater, indem ich ihm zum Beispiel auf der Straße helfe sich zurecht zu finden. Wenn was ist, sage ich Bescheid. Oder ich übersetze Dinge für ihn, beim Arzt oder bei Behörden. Meine Familie unterstütze ich auch, indem ich auf meine Geschwister aufpasse oder koche wenn meine Mutter gerade nicht da ist. Solche Dinge.

Du hilfst außerdem auch bei der Wohnungssuche, richtig?

Genau. Wir sind ungefähr vor drei Jahren von Afghanistan nach Deutschland gekommen. Wir mussten also viel zu Behörden gehen und uns erstmal zurechtfinden. Das Thema Wohnungssuche steht schon seit längerem an. In Berlin ist das aber gar nicht so einfach. Es gibt also immer was zu tun.

Wie reagiert dein Umfeld darauf, dass dein Vater eine Behinderung hat?

Ich muss sagen, dass meine Freundinnen und mein Umfeld alle sehr respektvoll sind. Sie akzeptieren mich, so wie ich bin. Sie finden es auch gut, dass ich meine Familie unterstütze. Ich bin sehr froh, meine Freundinnen zu haben. Wir verbringen viel Zeit miteinander, gehen spazieren, etwas essen oder uns ein Getränk kaufen. Manchmal geben Sie mir sogar ein Getränk aus.

Und was machst du, wenn es doch mal stressig wird?

Bei uns vor dem Haus gibt es einen Fußballplatz. Wenn ich gestresst bin, gehe ich einfach nach draußen und lasse meine Energie am Ball aus. Oder ich mache Gymnastik.

Welche Tipps würdest du anderen Jugendlichen geben?

Da habe ich ein gutes Beispiel: Ich bin eigentlich sehr stolz auf meine Familie. Sie akzeptieren mich, wie ich bin und gehen auf meine Wünsche ein. Letztes Jahr war ich aber wirklich sehr genervt. Ich musste so viele Dinge übersetzen, dass ich irgendwann keine Lust mehr hatte. Nach einer Zeit dachte ich dann: „Tamina, was soll das Ganze?“. Meine Eltern waren immer für mich da und haben mir viel mitgegeben. Deshalb möchte ich anderen sagen: Bleibt geduldig, aber hört auch auf euer Herz! Nehmt euch eine Pause, wenn ihr Sie braucht.