Junger Mann mit gesenktem Kopf

Trauer: Wenn die Welt aus den Fugen gerät

Oma backt am besten. Und sie lässt uns aus der Teigschüssel naschen – egal wie alt wir sind. Es tut gut, daran zu denken. Vor allem dann, wenn Oma nicht mehr lebt.

Erinnerungen und Erlebnisse prägen uns und unsere Bindungen mit anderen. Und so individuell diese Bindungen sind, so individuell ist auch unsere Trauer, wenn wir einen Menschen verlieren. Wir alle trauern unterschiedlich, und doch wieder irgendwie ähnlich.

So hat das auch die Psychologin Verena Kast beobachtet. Sie hat viele Jahre Trauernde begleitet und dabei vier Phasen der Trauer beschrieben.

1. Am Anfang – der Schock

Erfährst du, dass du jemanden verloren hast, setzt ein Schockzustand ein. Du willst nicht wahrhaben, dass das wirklich passiert sein soll. Du fühlst dich wie betäubt und erstarrt. Doch das kann irgendwann umschlagen.

2. Gefühlschaos und Schuldgefühle

Plötzlich brechen die Gefühle hervor: Wut. Angst. Freude. Zorn. Alle auf einmal. Durcheinander. Du fühlst dich ohnmächtig, suchst nach einer Erklärung. Und gibst vielleicht sogar dir oder anderen die Schuld an dem, was passiert ist.

3. Loslassen lernen

Langsam fängst du an, dich mit der Situation und mit der oder dem Verstorbenen auseinanderzusetzen. Vielleicht besuchst du Orte, die sie oder er mochte. Oder du übernimmst vielleicht einige ihrer oder seiner Gewohnheiten. Und du erzählst Geschichten, die ihr gemeinsam erlebt habt. Schritt für Schritt lernst du so, dass es weitergeht. Und dass du dafür nicht vergessen musst, was dieser Mensch dir bedeutet hat.

4. Alles neu ordnen

Schließlich fasst du Mut, dein Leben neu zu ordnen. Vielleicht setzt du Pläne um, die ihr gemeinsam geschmiedet habt. Und vielleicht gehst du auch ganz neue Wege. Die Erinnerung an den Menschen begleitet dich dabei.

 

Wie lange diese Phasen dauern, wie stark sie sich überschneiden und wie intensiv sie sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Jeder geht anders mit Verlust um – und jeder braucht dafür so lange, wie er oder sie eben braucht. Ein Richtig oder ein Falsch gibt es nicht. Falls es dich einmal treffen sollte: Lass dir Zeit und finde deine ganz eigene Art, zu trauern. Wende dich an Freunde und Familie, wenn du Unterstützung brauchst. Und wenn das nicht mehr hilft, gibt es viele Stellen, die dir in deiner Trauer beistehen.

Wenn du weißt, dass jemand in deiner Familie nicht wieder gesund wird, kannst du ebenfalls Hilfe finden. Im Wegweiser Hospiz- und Palliativmedizin findest du dazu grundsätzliche Informationen, über 3000 Adressen und jede Menge Ansprechpartner.

Foto von Andrew Neel auf Unsplash

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